Botanisches Portrait und Besonderheiten des Fingerstrauchs / Potentilla
Das sogenannte Fingerkraut ist eine Pflanzenart in der Familie der Rosengewächse und der Gattung Potentilla. Die Gattung umfasst circa 500 Arten, die in den gemäßigten, arktischen und alpinen Zonen der Nordhalbkugel zu Hause sind. Nur wenige Arten wachsen auf der Südhalbkugel. Einige Arten des Fingerkrauts werden in Europa als attraktive Ziergehölze gepflanzt und eignen sich hervorragend für die Verschönerung unserer Gärten. Besonders populär ist der sogenannte Fingerstrauch, der als Potentilla fruticosa bezeichnet wird, mittlerweile aber der Gattung Dasiphora zugeordnet wird. In Mitteleuropa sind Fingerkräuter mittlerweile in diversen Kulturformen erhältlich und verwöhnen allesamt mit einem attraktiven Blattwerk und einer sinnlichen Schalenblüte. Ihren deutschen Trivialnamen erhielten die Pflanzen der Gattung aufgrund des markanten Blattwerks. Die einzelnen Blätter sind fünfzählig gelappt und erinnern an die Optik einer Hand. Fingerkraut wird bisher recht wenig in unseren Gärten gepflanzt und die malerischen Pflanzen gelten als echte Liebhaberstücke, die dem Gärtner eine vielseitige Verwendung ermöglichen und sich für nahezu jede Gartengröße eignen.
Der Fingerstrauch wächst aufrecht zu einem malerischen Strauch und erreicht je nach Sorte eine ungefähre Endhöhe von 20 Zentimetern bis zu 1,3 Metern. Die kurzen Triebe sind dünn und entwickeln sich stark verzweigt. Sie streben bodendeckerartig bis breit aufrecht und verschaffen dem Fingerstrauch eine dichtbuschige Struktur. Die dekorativen Sträucher gelten als flächenfüllend und ermöglichen dem Gärtner damit eine vielseitige Verwendung als Solitärpflanze, Lückenfüller in Beeten sowie auch als zierendes Kübelgewächs.
Das hellgrüne Blatt des Fingerstrauchs erinnert an die Form einer Hand
Alle Pflanzen der Gattung Potentilla entwickeln sich mit einem markanten Blattwerk, das optisch an die Form einer Hand erinnert und den Fingerkräutern ihren deutschen Namen einbrachte. Die sommergrünen Blätter stehen wechselständig an den Zweigen und sind drei- bis siebenzählig. Sie werden circa drei Zentimeter lang und wirken filigran. Das Laub funkelt in einem frischen Hellgrün und belebt den Garten im Sommer mit seiner frischen Farbgebung; im Herbst hingegen färben sich die Blätter kaum und präsentieren sich mit einer wenig ausgeprägten Herbstfärbung.
Die farbenfrohen Schalenblüten der Potentilla erfreuen mit einer langen Blütezeit
Die Blüten des Fingerstrauchs gelten als sehr zierend. Sie entwickeln sich mit der für die Familie der Rosengewächse charakteristischen Form einer Schalenblüte und haben fünf Blütenblätter. Je nach Sorte leuchten sie in Weiß, Orange und Rosa und bescheren dem Gärtner einen farbenfrohen Anblick. Die Größe der Blüte variiert je nach Sorte von kleinblütigen Züchtungen mit einer filigranen, zarten Blüte bis zu großblumigen Selektionen, deren Blüten bis zu drei Zentimeter groß werden. Die Blüten der Fingersträucher verwöhnen mit einer sehr langen Blütezeit von bis zu einigen Monaten, und ihre einfache Blütenform macht sie zu beliebten Insektenmagneten. Sie verfügen über einen hohen Nektargehalt und machen die Fingerkräuter zu ökologisch wertvollen Nährpflanzen.
Die kleinen Nüsschenfrüchte des Fingerstrauchs haben keinen dekorativen Wert
Aus den attraktiven Blüten entwickeln sich kleine Einzelfrüchte, die als Nüsschen bezeichnet werden und über keinerlei Zierwert verfügen. Sie sitzen gebündelt in der Mitte der ehemaligen Blüte und sind zumeist glatt, manchmal leicht behaart. Die Nüsschen schimmern grünlich und werden schließlich hellbraun, um dann vom Wind im Garten verteilt zu werden.
Besondere Bedeutung und Nutzen der Gattung Potentilla
Einige Arten der Gattung Potentilla werden in Mitteleuropa als Zierpflanzen verwendet. Die für den Gartenbau bedeutendste Pflanze ist die Potentilla fruticosa, die als Fingerstrauch bezeichnet wird. Im Bereich der Naturmedizin wurden einige Fingerkrautarten zur Bekämpfung der Krankheit Ruhr verwendet, und den Pflanzenteilen wird eine wärmende Wirkung zugesprochen.
Der ideale Standort für den Fingerstrauch
Für das schönste Wachstum von Fingersträuchern gilt es, die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Sorten und Arten zu beachten. Der optimale Standort bezüglich der Ansprüche an den Boden sowie an die Lichtverhältnisse garantiert dem Gärtner einen vitalen Wuchs und sorgt für ein farbenfrohes, üppiges Blüherlebnis.
Der Fingerstrauch (Potentilla) entwickelt in der Sonne eine üppige Blüte
Der Fingerstrauch gilt als anpassungsfähig, obgleich er sehr lichtbedürftig ist und vollsonnige Standorte bevorzugt. An einem Platz in der Sonne entwickelt der Fingerstrauch die schönste und üppigste Blüte und verwöhnt mit einem farbenfrohen Anblick. Ein Standort im Halbschatten wird ebenfalls akzeptiert, hier büßt der Strauch aber an Blütenfülle ein. Von der Pflanzung des Fingerstrauchs im Schatten ist abzuraten, denn hier streben die Triebe in die Breite und die Blütenbildung wird gehemmt.
Welche Bodenbeschaffenheiten Fingersträucher (Potentilla) zum Wachsen benötigen
Fingersträucher sind sehr genügsam und gelten als robuste Gartenpflanzen. Sie tolerieren jeden Boden, fühlen sich aber auf mäßig nährstoffreichen und durchlässigen Untergründen am wohlsten. Der Fingerstrauch verträgt hervorragend steinige und trockene Böden, nicht aber Staunässe. Hier reagiert sein Wurzelwerk mit Fäulnis, sodass die Schaffung eines ausreichenden Wasserabflusses und die Lockerung des Untergrundes elementar sind.
Neutraler bis leicht alkalischer Boden ideal
Bezüglich des pH-Werts des Bodens bevorzugt der Fingerstrauch einen neutralen bis leicht alkalischen Bereich. Hier lohnt es sich, den Untergrund gegebenenfalls mit einer Untermischung von Rindenmulch, Kompost oder Sand zu optimieren. Dies entlohnt der Fingerstrauch mit dem Anblick einer reichen und farbintensiven Blütenpracht.
Die wichtigsten Potentilla-Arten im Überblick
Fingerkrautarten sind in vielen Wuchsformen erhältlich und sie begeistern als Staude, Bodendecker sowie als Zierstrauch. Der sogenannte Fingerstrauch (Potentilla fruticosa) ist die im Gartenbau bedeutendste Art und beschert dem Gärtner ein großes Sortiment an Züchtungen, die den Strauch ideal machen für die Pflanzung in jeder Gartengröße.
Hier eine Liste der schönsten Fingersträucher und ihrer Besonderheiten
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Fingerstrauchsorte
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Wuchs
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Besonderheit
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Potentilla fruticosa
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50–100 cm, Kleinstrauch, buschig
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Lange Blütezeit von Mai bis Oktober, leuchtend gelb, sehr robust
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Potentilla ‘Limelight‘
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100 cm hoch, bodendeckend, dichtbuschig, breit
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Gelbweiße Blüte mit gelbem Auge, frischgrünes Blatt, sehr zierend
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Potentilla ‘Goldfinger‘
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80–120 cm, breitwachsend, dichtbuschig
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Große Blüte, leuchtend gelb, blühstarke Sorte. Ideal als Heckenpflanze
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Potentilla ‘Abbotswood‘
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100 cm, aufrecht, dicht verzweigt, bodendeckend
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Reinweiße Blüte, eleganter Wuchs
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Potentilla ‘Red Ace‘
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40–60 cm, niedrig wachsend, breit
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Orangerote bis rote Blüte, reichblühend, sehr zierend
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Potentilla ‘Pink Queen‘
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100 cm hoch, breitwachsend, buschig, bodendeckend
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Weißrosa Blüte, frischgrünes Blatt, sehr zierend
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Pflanzung, Pflege und Schnitt der Potentilla
Fingersträucher verwöhnen insgesamt mit einem anspruchslosen und sehr genügsamen Charakter. Für ihr bestmögliches Anwachsen gilt es aber, die individuellen Bedürfnisse in Bezug auf den richtigen Pflanzzeitpunkt, eine optimale Bewässerung und Düngung sowie den fachmännischen Rückschnitt zu berücksichtigen. Dies garantiert dem Gärtner einen bestmöglichen Wuchs und sorgt für malerische Gartenmomente.
Wann und wie man den Fingerstrauch am besten pflanzt
Fingersträucher sind sehr robust und widerstandsfähig, sodass auch die Pflanzung der Gartenschönheiten nahezu ganzjährig erfolgen kann, sofern der Boden frostfrei ist. Besonders günstig ist aber eine Pflanzung des Fingerstrauchs im Herbst, denn der Boden ist noch vorgärmt und die Wurzeln haben ausreichend Zeit, sich bis zum Winter intensiv einzuwurzeln, um dann kräftig ins neue Gartenjahr zu starten. Die Pflanzung im Frühjahr ist ebenfalls möglich, allerdings ist dann eine regelmäßige Bewässerung vonnöten.
Containerpflanzen ganzjährig pflanzbar
Zumeist werden Fingersträucher als Containerpflanzen angeboten. Im Gegensatz zu Pflanzen als Ballenware haben sie bereits ein kräftiges Wurzelwerk entwickelt, sodass die ganzjährige Pflanzung problemlos möglich ist. Hier gilt es aber zu beachten, dass der Boden frostfrei ist und die Temperaturen nicht zu heiß sind. Für ein bestmögliches Pflanzergebnis empfiehlt es sich, den jeweiligen Untergrund vor der Pflanzung des Fingerstrauchs zu optimieren. Je nach individuellem Charakter eignet sich hier die Zugabe von Kompost, Lehm oder Mulch. Auch der Aushub eines möglichst doppelt so großen Pflanzloches im Verhältnis zum Wurzelballen unterstützt das Anwachsen des Fingerstrauchs und sorgt für eine gesunde Pflanze.
Der richtige Rückschnitt der Potentilla sorgt für eine üppige Blüte
Der Fingerstrauch gilt als sehr schnittverträglich, sodass er problemlos von einem regelmäßigen Rückschnitt profitiert. Dies fördert die Ausbildung einer üppigen Blüte, einer langen Blütezeit und die Erhaltung der Wuchsform. Optimal ist ein leichter Rückschnitt von schwachen und nach innen wachsenden Trieben des Fingerstrauchs vor dem Austrieb im späten Winter oder zeitigen Frühjahr. Der Fingerstrauch blüht am diesjährigen Holz, also an den Trieben, die im aktuellen Jahr austreiben. Ein zu später Rückschnitt würde somit die Blütenbildung gefährden.
Ältere Pflanzen alle 2 bis 3 Jahre stärker zurückschneiden
Ältere Sträucher sollten alle 2–3 Jahre radikaler ausgelichtet werden durch den bodennahen Rückschnitt älterer Triebe. Pflanzen, die stark verholzt sind, kann man mit einem radikalen Verjüngungsschnitt behandeln. Auch nach einem bodennahen Rückschnitt treibt der Fingerstrauch zuverlässig wieder aus und begeistert mit einer üppigen Blüte und einem vitalen Wuchs.
Potentilla düngen und bewässern: Tipps für vitale Pflanzen
Fingersträucher begeistern mit einem sehr pflegeleichten Charakter und benötigen wenig Unterstützung durch den Gärtner. Obgleich sie sich auch ohne eine gezielte Düngung zu echten Schönheiten entwickeln, empfiehlt es sich, den Fingerstrauch einmal im Jahr zu Beginn des Frühlings mit einer leichten Zugabe von Kompost oder aber einem organischen Langzeitdünger zu unterstützen. Dies fördert einen kräftigen Austrieb und sorgt für eine reiche Blütenbildung. Auf Überdüngung reagiert der Fingerstrauch mit der Ausbildung von vielen Blättern, die Blütenbildung büßt dann aber ein, sodass die Düngung maßvoll und lediglich einmal pro Jahr erfolgen sollte.
Bewässerung bei etablierten Pflanzen nur in Trockenperioden notwendig
Auch in Bezug auf die Bewässerung zeigt sich der Fingerstrauch als genügsam, sofern er gut eingewachsen ist. Hat sich der Strauch an seinem Standort etabliert, verträgt er temporär Hitzeperioden und benötigt lediglich in langen Trockenperioden eine Zugabe von Wasser. Lediglich junge Sträucher, die nicht intensiv verwurzelt sind, sollten regelmäßig und maßvoll bewässert werden. Der Fingerstrauch reagiert sensibel auf Staunässe, sodass der Boden feucht, aber nicht nass sein sollte. Dann erweist sich der Fingerstrauch als zuverlässiger Blickfang, der mit seiner frischen Blattfarbe und einer leuchtenden Blüte für malerische Gartenbilder sorgt.
Winterhärte und Winterschutz für den Fingerstrauch
Fingersträucher gehören zu den robustesten Ziersträuchern im Garten und gelten als ausgesprochen winterhart. Sie vertragen niedrige Temperaturen bis zu minus 35 Grad Celsius und eignen sich für die Pflanzung in rauen und kalten Klimazonen. Sie stammen zumeist aus Regionen auf der Nordhalbkugel und erweisen sich dementsprechend als widerstandsfähig und frosttauglich. Generell benötigen Fingersträucher daher keinen Winterschutz und sie kommen ohne die Unterstützung durch den Gärtner zurecht. Lediglich frisch gepflanzte, junge Sträucher sollten in den ersten Jahren nach ihrer Pflanzung mit einem Schutz versehen werden. Auch Kübelgewächse stellen eine Ausnahme dar, denn sie haben ein weniger intensives Wurzelwerk als Sträucher, die in einem Gartenboden wachsen. Hier eignet sich die Umhüllung der Krone mit einem Wärmevlies sowie die Mulchung des Wurzelbereiches mit Rindenmulch.
Verwendung des Fingerstrauchs (Potentilla) im Garten
Der Fingerstrauch gilt als sehr vielseitig und ermöglicht je nach Sorte ein großes Pflanzspektrum. Der attraktive Strauch ist in diversen Wuchshöhen verfügbar und eignet sich sowohl als Heckenpflanze als auch als Lückenfüller in Beeten, als Bodendecker und ebenfalls als Kübelpflanze. Die Pflanze erfreut mit einer breiten Wuchsform, einer farbenfrohen Blüte und einem ausgesprochen robusten und winterharten Charakter. Fingersträucher wirken wunderschön in Steinbeeten und auf Trockenstandorten, zum Beispiel im Zusammenspiel mit Lavendel oder Salbeipflanzen. Selektionen mit einer höheren Wuchsform können hervorragend als Heckenpflanze verwendet werden und wirken besonders attraktiv in Kombination mit anderen blühenden Sträuchern wie dem Flieder, einem Hartriegel oder auch mit dem Japanischen Spierstrauch.
Ideal auch als Ergänzung in Beeten oder zur Einfassung von Flächen
Besonders schön erweisen sich die bodennahen Selektionen des Fingerstrauchs. Sie wachsen bodendeckerartig breit und zeigen sich als ideal für die Verschönerung von Beeten, als Lückenfüller sowie zur Begrenzung und Einfassung von asphaltierten Flächen. Aufgrund ihrer langen Blütezeit bringen Fingersträucher dauerhaft Farbe in den Garten und locken zudem unzählige Insekten an. Die attraktiven Sträucher sind somit die ideale Wahl für die Pflanzung in naturnahen Gärten und gelten insgesamt als sehr vielseitig nutzbar. Sie verwöhnen nicht nur optisch, sondern zudem erfreut der Fingerstrauch mit seinem robusten, genügsamen und sehr winterharten Charakter.
Häufige Fragen rund um die Gattung Potentilla
Ist der Fingerstrauch winterhart?
Der Fingerstrauch ist sehr winterhart und er verträgt Temperaturen bis zu minus 35 Grad Celsius. Lediglich junge Pflanzen und Kübelpflanzen benötigen einen Winterschutz, ansonsten kommt er ohne die Hilfestellung des Gärtners durch den Winter.
Welche Blütenfarben gibt es bei der Potentilla?
Der Fingerstrauch verwöhnt mit einer langen Blütezeit von Mai bis Oktober. Die meisten Selektionen sind gelbblühend, es gibt aber auch Sorten mit weißen, rosafarbenen und orangen Blüten.
Wann ist die beste Pflanzzeit für den Fingerstrauch (Potentilla)?
Die beste Zeit für die Pflanzung eines Fingerstrauchs ist im Herbst, dann können sich seine Wurzeln bis zum Winter etablieren. Auch eine Pflanzung im Frühjahr ist möglich, dann muss er aber regelmäßig bewässert werden.